Der starke und devote Mann- ein Widerspruch?

In einem SM Forum schrieb ich einmal folgende Sätze:

 

Es reizt mich, von einem starken Mann mit gefestigter Persönlichkeit verehrt zu werden, ihn über seine Geilheit zu formen und ihn ganz nach meiner Lust zu benutzen. Ich liebe Männer die keine Angst vor einer starken Frau haben, sondern die sich auf die volle Bandbreite der daraus entstehenden Möglichkeiten einlassen und dabei Haltung und Selbstwert bewahren.

Männer, die fähig sind, eine Frau zu verehren und wertzuschätzen, ohne dabei ihre eigene Würde zu verlieren.

 

Sehr viele fühlten sich dadurch angesprochen und stimmten dem zu. Es kam aber auch die Frage auf, ob Würde und eine gefestigte Persönlichkeit mit der devoten Rolle vereinbar sind.

Das ließ mich nachdenklich werden.

 

Was macht eine gefestigte Persönlichkeit aus?

 

Berücksichtigt man, dass wir alle einem ständigen Entwicklungsprozess unserer Persönlichkeit unterliegen ( im Idealfall), gibt es somit keinen steten Endpunkt, ab dem man behaupten kann, man ist jetzt eine gefestigte Persönlichkeit und vorher war man es nicht. Die Grenzen sind fließend. Außerdem lässt sich die Persönlichkeit in verschiedene Bereiche Unterteilen, in denen sich durchaus gegensätzliche Seiten unseres Selbst zeigen, beispielsweise Arbeit, Hobbys, Beziehungen, Freundschaften, Sexualität.

 

Lässt man sich auf diesen Entwicklungsprozess ein, stellt man sich automatisch seinen Schwächen und Schatten, lebt die volle Bandbreite der Emotionen aus und lernt sich so immer besser kennen. Je besser man sich kennt, desto mehr ruht man in sich. Desto gefestigter wird man. Gehört zur persönlichen Bandbreite der Emotionen die devote, unterwürfige Seite und lässt man diese in seiner Phantasie zu und wagt dann den nächsten Schritt, es real zu verwirklichen, ist das der Beginn der Reise zu sich selbst. Ob man sich dann schon als gefestigte Persönlichkeit wahrnimmt oder noch nicht,ist nicht vorrangig - man lernt sich selbst besser kennen, und das ist wertvoll und macht stark. Genauso steht es um die Tatsache, sich bewusst seiner schwachen Seite zu stellen. Wobei die Bezeichnung schwach für mich in diesem Kontext keinerlei negativ wertende Konnotation hat. 

 

Die Person, die schwach ist, mit Unsicherheiten kämpft, vor allem wenn dies latent und in deren  Unterbewusstsein geschieht, sich das aber niemals eingestehen würde und es um jeden Preis überspielt, wird wohl kaum von der Unterwürfigkeit vor der Herrin phantasieren. Ich musste feststellen, dass gerade solche Männer, die innerlich schwach sind, sich besonders gerne mit starkmachenden Attributen schmücken, mit totaler Antipathie gegenüber der männlichen Devotion reagieren und wenn es schon um BDSM geht, davon träumen, die Sklavin mal ordentlich zu vermöbeln. 

 

Der devote Mann,der sich schwach fühlt, kann sich eingestehen, dass er der Führung bedarf. 

Dadurch gewinnt er an innerer Stärke.

 

Oder der devote Mann fühlt sich bereits stark und gefestigt, genießt die Führung und die Möglichkeit zu verehren ebenfalls, weil er aus sich heraus Motive verspürt, das zu tun und das als bewusste Entscheidung, basierend auf seinem freien Willen und aus der Achtung seiner Bedürfnisse heraus, auslebt. 

 

Vielleicht aus einer tiefen Achtung vor der Weiblichkeit. 

Aus dem Wunsch heraus, die Kontrolle abzugeben und tiefes Vertrauen zu erleben.

Oder einfach aus der Freude daran, seine Lust auf allen möglichen Ebenen zu erleben, durch besondere Spielarten seine Sinnlichkeit immer wieder neu zu entdecken.

 

In all dem aufgezählten sehe ich keinen Widerspruch zur Würde und Stärke des Mannes. 

 

Wahre Stärke zeigt sich für mich durch ehrliche Innenschau und durch das Ausleben seiner tiefsten Bedürfnisse und Neigungen. 

 

 

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