Schuldgefühle - die befreiende Wirkung des Beichtens und des sich Eingestehens

Dem Bedürfnis bestraft zu werden, liegen oft Schuld - und Schamgefühle zu Grunde.

Ohne, dass genau thematisiert wird, wofür, möchte derjenige Ohrfeigen kassieren, beschimpft, getreten, geschlagen und gepeitscht werden. Körperliche und seelische Qualen durchleiden, damit sich anschließend ein wohltuendes, befriedigendes Gefühl einstellt.

Innerer Frieden, als hätte ein Ausgleich stattgefunden. 

 

Vor einiger Zeit hatte ich ein interessantes Telefonat. Ein junger Mann rief mich an. Seine Verlegenheit und Scham konnte ich deutlich raushören. Es ging um eine Session, in der im alleinigen Mittelpunkt seine Bestrafung, ganz gleich in welcher Form, stattfinden sollte. 

 

Am liebsten wäre ihm vermutlich gewesen, unentdeckt durch die Tür zu kommen, seine Strafe zu erhalten und genauso unentdeckt wieder zu verschwinden. 

 

Aber eine anonyme Bestrafung ist für mich nicht reizvoll genug. Zumindest nicht in dieser Situation. Ich spürte, dass da noch viel mehr zu holen ist, als die verlegene Bitte um allgemeine Strafe.

 

Weshalb er der Meinung ist, seine Züchtigung verdient zu haben, fragte ich ihn.

Wiederwillig rückte er mit der Sprache raus: Er habe seine Mutter bei der Intimpflege beobachtet. Nicht nur ein flüchtiger Blick, ein bewusstes Hinschauen war es...

 

Ich hatte fürs erste genug Informationen um mich auf eine Session mit ihm einzustellen. 

 

Mir war vollkommen klar, dass es dann nicht bei diesem kleinen Geständnis bleiben würde. So einfach würde er nicht davon kommen. Und auch wenn er meint, zu wissen, was der Anlass seiner Strafe ist, so ist es für mich von Wichtigkeit gewessen, dass er vollständig erfasst, was es genau ist, wofür er sich so schämt. Denn es ist nicht die Tatsache, dass er seine Mutter nackt erblickt hat. Viel mehr geht es darum, dass sein Blick verharrt hat. Dass es ihn erregt hat, sie nackt zu sehen, wie sie ihren Intimbereich berührte und er sie dabei mit lüsternen Blicken betrachtet hat. 

 

Hinter dem allgemeinen Wunsch bestraft zu werden, liegt manchmal das Bedürfnis, seine Schuldgefühle loszuwerden, ohne sich mit ihnen auseinander setzen zu müssen.

Mit den Schuldgefühlen, die als Schatten da sind- nicht bewusst wahrnehmbar, aber dennoch existent. Man fühlt sich belastet, ohne zu wissen warum, möchte es loswerden, aber ohne sich den Dingen stellen zu müssen.

 

Kurzweilige Erleichterung stellt sich nach der körperlichen und seelischen Züchtigung ein. Mit dem Wunsch auf Wiederholung, wenn ein wenig Zeit  verstrichen ist. Solange, bis man sich der Tatsche nicht entgültig stellt. Die Dinge, so wie sie sind, zu Ende denkt und ausspricht.

In seinem Fall könnte es heißen:  Ja, ich habe meine Mutter nackt gesehen. Ja, ich habe nicht weggeschaut. Ja, mich hat es erregt. Und ja, der Gedanke daran ist immer noch geil und spukt in meinem Kopf herum. Es reizt mich und gleichzeitig fühle ich mich pervers. Vielleicht ist es ja genau diese Mischung, die mich dabei so sehr stimuliert?

 

Oft ist es schon ausreichend, diese Aussagen im Raum stehen zu lassen und zu schauen, was weiter passiert. Man hat sie sich eingestanden und ausgesprochen. Sie haben somit keine Macht mehr. 

 

Bekanntermaßen wird ein Gedanke/ ein Erlebnis/ eine Phantasie immer lauter, mächtiger und verselbstständigt sich, wenn man sie nicht annimmt, verdrängt und von der bewussten Wahrnehmung abspaltet. Das Phänomen der nicht integrierten Schattenanteile. Sucht man die Konfrontation, ist da plötzlich nichts mehr, was man fürchten müsste. 

 

Der junge Mann, hat sich für die weitere Terminabsprache nicht mehr gemeldet.

So konnte das Beichtszenario, welches ich in Form eines klassischen Verhörs mittels Befragungen bis ins allerletzte Detail initiiert hätte, nicht stattfinden. Es kann gut sein, dass das kleine Geständnis am Telefon seinen Zweck erfüllt hat, fürs erste oder auch dauerhaft. 

 

Nicht immer muss der Sache auf den Grund gegangen werden, woher der Wunsch nach Strafe, Demütigung und Züchtigung seinen Ursprung hat. Es ist genauso schön, das Bestrafungsspiel einfach zu genießen, ohne groß zu hinterfragen. Durch die Strafe Befriedigung zu erleben, egal ob dauerhaft oder auf Zeit.

 

Sollte man aber spüren, dass da mehr ist...das da etwas ist, was sich immer wieder zu Wort melden will, was Raum einfordert...dann sollte man einen genaueren Blick wagen.

 

Dann sollte man über ein beichten nachdenken.

Ein beichten vor mir. Und das wichtigste - vor sich Selbst. 

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